Startseite
Lebenslauf
Publikationen
Seminare
SoSe 2012
frühere Seminare
Seminare Duisburg
"en passant"
Hinweise + AKTUELLES
Kontakt


Im Sommersemester 2012 biete ich an der Leibniz Universität Hannover die beiden folgenden Seminare an:

Individualisierung, Globalisierung, Wissensgesellschaft, Risikogesellschaft, McDonaldisierung, reflexive Modernisierung, Beschleunigung usw. – Soziologische Gegenwartsdiagnosen und das zeitdiagnostische Potential der Soziologie

mittwochs, 14-16 Uhr, Schneiderberg 50

Soziologie ist diejenige Wissenschaft, mittels derer sich die moderne Gesellschaft selbst beobachtet, und so hat sich die Soziologie seit ihrem Anbeginn neben der Erhebung von Daten und der Bildung von Theorien auch der Erstellung von Gegenwartsdiagnosen gewidmet. Während viele ehemals ‚erfolgreiche’ Diagnosen heute beinahe vergessen sind (z.B. „Imperialismus“ oder „Neue Unübersichtlichkeit“), haben andere ihre (Entstehungs-) Zeit überdauert und erfreuen sich anhaltender Beliebtheit (z.B. „vaterlose Gesellschaft“ oder „Individualisierung“) oder sind gar ins Alltagswissen übergegangen (z.B. „Globalisierung“).
Freilich sind Gegenwartsdiagnosen ein riskantes ‚Spiel’ – gelingt es der Soziologie doch im Allgemeinen leichter die Vergangenheit als die Zukunft vorherzusagen! Andererseits findet die Soziologie in der gelungenen Gegenwartsdiagnose eine wesentliche gesellschaftliche Funktion und Legitimation. „To tell it like it is“ ist das, was man von ihr erwartet, und es ist zugleich das, was sie rechtfertigt. Allerdings gerät die soziologische Gegenwartsdiagnose allzu leicht auf eine schiefe Bahn – hängt ihre gesellschaftliche Anschlussfähigkeit doch weniger vom Aussprechen der Wahrheit (oder, wenn man so will, von ihrem aufklärerischen Impetus) ab als von der Widerspiegelung des jeweils dominierenden Lebensgefühls. Jedoch spiegeln soziologische Diagnosen nicht nur den jeweiligen Zeitgeist wider, sondern vermögen ihn mitunter auch zu prägen… Sie verändern also auch die Gesellschaft, die sie beobachten.
 
Im Seminar werden wir uns mit einer Vielzahl früherer und aktueller soziologischer Gegenwartsdiagnosen – von Anomie und Kapitalismus, von Weltgesellschaft und Globalisierung, von Individualisierung und Risikogesellschaft, McDonaldisierung und Wissensgesellschaft bis hin zu Flexibilisierung und Erlebnisgesellschaft u.v.a. – befassen, um gleichsam die Soziologie dabei beobachten, wie sie die Gesellschaft und mitunter sich selbst beobachtet. Zugleich werden wir nach Antworten auf die Frage suchen, was von früheren Gegenwartsdiagnosen bewahrenswert und was von gegenwärtigen brauchbar ist.
Seminarpläne, aktuelle Hinweise usw. finden Sie auf meiner Homepage: http://www.SvenLewandowski.de

Literatur(auswahl)
Bauman,Z. (2000/2003). Flüchtige Moderne. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Beck,U. (1986). Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Giddens,A. (1996). Leben in einer posttraditionalen Gesellschaft. In Beck,U./Giddens,A./Lash,S. Reflexive Modernisierung. Eine Kontroverse. (S.113-194). Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Pries,L. (2008). Die Transnationalisierung der sozialen Welt. Sozialräume jenseits von Nationalgesellschaften. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Ritzer,G. (42004/2006). Die McDonaldisierung der Gesellschaft. 4., völlig neue Auflage. Konstanz: UVK.
Schulze,G. (1992/31993). Die Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart. Frankfurt am Main/New York: Campus.
Sennett,R. (1998/2006). Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus. Berlin: BvT.


Die Rückkehr der modernen Familie?

mittwochs, 16-18 Uhr, Schneiderberg 50

Während sich die moderne Kernfamilie – bestehend aus verheirateten Eltern und ihren leiblichen Kindern – in den 1980er Jahren in der Krise befand und ihr keine große Zukunft vorausgesagt wurde, erlebt ‚die’ Familie seit einigen Jahren ein erstaunliches ‚Comeback’. In Medien und Politik ist sie wieder populär und auch im privaten Leben scheinen familiäre Bindungen an Bedeutung zu gewinnen. Zugleich steigen aber Trennungs- und Scheidungsraten und die Geburtenentwicklung stagniert weiterhin. Zudem scheint sich auch ein ‚Nichtfamiliensektor’ herauszubilden, also ein Bevölkerungsteil, der weder eine Familie im traditionellen Sinne bildet noch Kinder bekommt.
Das Seminar wird sich sowohl mit der neuen Popularität des familialen Lebens als auch mit Lebensformen jenseits der (modernen) Familienstrukturen befassen und der Frage nachgehen, ob sich tatsächlich eine Rückkehr zur modernen Familie ausmachen lässt.
Das Seminar richtet sich an sich an Studierende ab dem 2. Semester und führt zugleich in die Familiensoziologie respektive in die Soziologie privater Lebenswelten ein. Im Mittelpunkt des Seminars werden aktuellere Studien stehen.
Seminarpläne, aktuelle Hinweise usw. finden Sie auf meiner Homepage: http://www.SvenLewandowski.de
 
einführende Literatur
Peuckert,R. (2008). Familienformen im sozialen Wandel. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.